Von einem Ende der Welt zum Anderen! Görlitz-Finesterre 2015 / Pilgerurlaub- Via Tourensis 2022 Camino del Norte 2024
Samstag, 24. Oktober 2015
Die erste Woche in Spanien
Nun war Spanien erreicht und in der Herberge blieben wir 3 Frauen unter uns, sodass ich eine lange, schnarchgeräuschfreie Nacht hatte und von 20-7 Uhr geschlafen hatte. Morgens stand ich leise auf, denn die Amerikanerinnen schliefen noch. Ich war schnell in den Startlöchern, vergass aber, dass es erst 8 Uhr dämmert und so verschob ich den Start. Es war sehr kalt und als ich auf das Plateau kam sah ich einen dieser wunderbaren Sonnenaufgänge und zog Mütze und Handschuhe an. Ich beobachtete einen Fuchs auf Hasenjagd und solange ich sie verfolgen konnte, hatte der Hase gewonnen.
Ich hoffte für ihn, dass es so blieb. Im ersten Ort bestellte ich bei einer mürrischen Spanierin einen Kaffee con Leche. Im benachbarten Laden kaufte ich Proviant und suchte ein sonniges Plätzchen für das Frühstück. Als ich dieses genoss überholten mich zwei Pilgerpärchen. Beim Zweiten sprach der Mann englisch und ich hörte, dass es kein Muttersprachler war. Wir überholten uns zweimal, bevor ich ihn englisch auf einen besseren Ausblick hinwies. Er fragte, wo ich herkam und so lernte ich Ringo (35, Mutter Beatle- Fan) kennen. Wir liefen gemeinsam und unterhielten uns ganz angeregt. Nach 31km kam ich in Arre an, wo für mich Schluss war. Ringo wollte eigentlich weiter, aber er war fertig und so zogen wir gemeinsam in die hiesige Herberge ein, welche nicht hielt, was der Führer versprach, aber ok. war. Nach und nach trafen Alice ( USA) und Tracy und Betsy von gestern ein. Das ergab wieder ein fröhliches Geschnatter. Gemeinsam gingen wir abends in eine Bar und aßen unser Pilgermenü und tranken Wein. Zurück schlichen die Amerikanerinnen und stöhnten. In Amerika hat der Spielfilm mit Martin Sheen über den Jakobsweg denselben Hype ausgelöst, wie Harpe in Deutschland.
Wir schliefen alle aus, weil wir dachten vor 8 Uhr geht nix los. Irrtum, der Pfarrer rumorte rum und spielte 7.40 Uhr die Orgel. Es klang ein bisschen wie Jahrmarktsmusik. 8 Uhr mussten wir raus sein! Ich schaffte es zwei Minuten davor. Bei der ersten panaderia gab es Kaffee und ein spanisches pain au chocolade. Auch sehr lecker. Ich lief mit Ringo die 4 km nach Pamplona und in der Casa de Paderborn gaben wir die Rucksäcke ab und machten einen ersten Stadtrundgang. Die Casa öffnet erst 12 Uhr. Pamplona gefällt mir. Dass ist das Spanien meiner Vorstellung. Die Kathedrale ist wunderschön und sehr goldlastig. Der Verkehr ist chaotisch- rücksichtsvoll. Die Häuser haben die schönen Balkone,das grüne Ampelmännchen läuft 60s bei jeder Grünphase richtig los ( ist sehr drollig anzusehen), der Schinken hängt von der Decke.... Wir laufen und staunen. Der Himmel ist blau und die Sonne lacht, aber 8 Grad sind frisch. Wir treffen Amanda wieder und sie checkt mit uns ein.
Nach einer Verschnauf- Wäsche-Pause laufe ich mit Ringo los, um den " Rest" der Stadt und die Zitadelle zu besichtigen. Ich bin total begeistert. Inzwischen ist es auch wärmer und wir setzen uns in ein Kaffee und genießen den faulen Tag.
Abends gingen wir zur " Rosaria" ( Rosenkranz beten) in die Kathedrale. Es war interessant zu sehen, wie locker die Katholiken hier sind. Der Pfarrer in Ringelshirt, der Chor schwatzt, wenn er nicht singt, die Kirchgänger kamen mit großen Einkaufstaschen. Danach stürzten sich alle ins Nachtleben. Verrückt was Freitag abend auf den Straßen los war. Volle Kneipen, Musik life und aus der Konserve und überall Kinder dazwischen. Wunderbare Atmosphäre! Ich ging mit Ringo Tapas essen, da ich diese Pilgermenüs nicht so toll finde, dass ich das jeden Tag brauche. Ich versuchte 4 Verschiedene und ein Glas vino de casa dazu und alles war lecker. Wir wechselten das Lokal und gingen ins Cafe "Irunia", wo einst Hemingway saß und ich probierte die erste Tortilla und dazu Sangria, der an der Bar gemixt wird- voll lecker. Dann liefen wir weiter und in einer Bar spielte ein Mexikaner Gitarre und sang. Leider konnten wir nicht lange bleiben, denn die Herberge schließt 22 Uhr. Ich ärgerte mich, dass ich der deutschen Herberge die treue hielt, denn die spanische lag zentraler und hat bis 23Uhr offen. Naja, in der nächsten belebten Stadt schaue ich nach der Öffnungszeit.
Auf dem Rückweg hatten wir noch ein stark riechendes Erlebnis. Wir wollten einen Fahrstuhl benutzen, den aber ein witziger Mensch mit "Schei....spray" besprüht hat!!! Ja das gibt es wirklich und dass sieht nicht nur so aus, sondern riecht auch so! Also gingen wir lieber die Stufen runter.
Am nächsten Morgen ( Samstags!) wurden wir 6.10 Uhr geweckt und nach dem Frühstück rausgeschmissen, sodass wir schon 7.15Uhr auf der Straße standen! Der Weg führte noch fast eine Stunde durch Vororte, sodass es ging. Ja und dann bei 5 Grad schon wieder ein gigantischer Sonnenaufgang. Ich kann mich daran ja nicht satt sehen. Am Horizont zeigte sich der Kamm, wo der Weg über den " Puerto du Perdon" geht und ich schaute, wo der Weg verläuft und genoss den Anstieg.Oben war der " Zug der Pilger" und ein herrlicher, leider diesiger Rundblick. Ich zog kurze Hosen an und zog weiter. Da ich früh los bin, mache ich den Umweg über das Kirchlein Eunate und es ist sogar offen. Welch ein Glück. Ich gehe 3x schweigend und barfuss um die Kirche, um die spirituelle Kraft zu tanken, aber es war kein Genuss sondern eine Tortur! Aber danach lief es sich ein wenig besser, denn die spitzen Kiesel hatten Massageeffekt! Dann ging es nach Puenta la Reina und nach Einzug in die Pilgerherberge, gingen wir einkaufen. Es gab einen Markt, wo es nichts außer Paprika gab, der vom Feld geerntet, sofort eingeweckt wurde und " tonnenweise" von den Leuten gekauft wurde. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass sie diesen einfrieren und das ganze Jahr essen.
In der Herberge war großes Kochen angesagt und ich musste warten, bis eine Herdplatte frei wurde.
Wir luden Etienne zum Essen ein, denn es reichte für drei und er war allein unterwegs. Danach wollten wir zur Pilgermesse, aber als wir zur Kirche kamen, war diese schon zu Ende. In meinem Führer stand die falsche Zeit. Wir spazierten durch die Stadt zurück, tranken unseren Wein aus und gingen schlafen.
Mitternacht wurde ich von einem furchtbaren Schnarchgeräuch geweckt. Es war grausam, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Schnarchen beim Ein- und Ausatmen in Presslufthammerlautstärke! Ich weckte ihn, 2 Minuten Ruhe und dann ging es weiter. Ich nahm die Taschenlampe und las, weckte ihn nochmal und versuchte zu schlafen.1Stunde schlief ich wohl, dann blendete ich den Schnarcher mit der Lampe, alles half nichts, er sägte weiter und ich wurde immet aggressiver.5.30 Uhr stand ich auf und flüchtete, bevor ich ihn mein Kopfkissen aufs Gesicht drücke! Ich dachte ich wäre Tiefenentspannt... Ich kochte mir einen Kaffee. Holger antwortete auf meine sms, "dass so schnell aus einer glücklichen Pilgerin eine verhärmte Gefängnissinsassin wird!"
Ringo kam raus und so frühstückten wir 6.30Uhr beim Bäcker und liefen mit Taschenlampe los. In der Dämmerung passierten wir der ersten Ort und als es hell war, hatten wir schon 10 km geschafft. Nachts hatte es ausgiebig geregnet und so waren die Schotter- und Feldwege sehr klitschig. Aber heute wurde es nicht richtig hell. Es blieb grau und wolkig und wir liefen über eine herrliche Landschaft, welche sich aber bedeckt hielt. Der Boden verändert hier jeden Tag seine Farbe. Nach dem Pass war er ockerfarben, danach rostbraun und heute kräftig rehbraun. Guter, fetter Ackerboden, der schon für die Winterruhe vorbereitet ist.
Wir kamen an der Bodega Irache vorbei, wo die Pilger sich am Weinbrunnen laben können. Zum Glück hatte ich mir einen neuen Becher besorgt und Ringo machte das Foto. Es gab eine Lifewebcam und ich rief Holger erfolglos an, aber Tim hörte und schaltete und sah mich. Manchmal finde ich die Technik schon Klasse. Danach folgte der letzte Akt für heute und wir checken in der Herberge in Villamayor de Monjardin nach 31 km ein. Die Herberge ist klein und überschaubar und wir sind zu acht in einem Zimmer. Wir kennen uns alle vom Weg und keiner schnarcht! Gute Aussichten. Ich setzte mich vors Haus, die Sonne zeigte sich kurz und der Blick glitt über einene Kirchenkuppel in die Berge.
Abends gab es ein gemeinsames Abendessen mit den Hospitaleros und 21 Uhr lag ich schon im Bett und holte den Schlaf nach, der mir fehlte.
Nach dem Frühstück starteten wir wieder in einen grau- neblig- feuchten Tag. Der Wein hat eine herrliche Blattfärbung, aber in dem Licht wirkt alles grau. Ich erahne nur die schönen Weitblicke, die hier möglich wären, wenn.... Inzwischen setzt auch der Niesel ein und das Regencape muss raus. Ein roter Farbtupfer im weiten Land, dass mir sehr fruchtbar erscheint. Überall Wein, Olivenbäume und leere Felder mit dunkelbraun grober Krume.
Hinter Los Arcos entdecke ich einen Baum mit " merkwürdigen" Früchten und beim genauen anschauen ist es ein Mandelbäumchen und die Früchte geben die Nüsse frei. Auf der benachbarten, kleinen Mauer liegt das Werkzeug unserer Vorfahren ( kleines Stück Ziegel) und so komme ich an den Mandelkern. Sie sind super lecker und so verweile ich ein paar Mandeln lang.
Der Weg ist heute ziemlich anstrengend, da er schottrig steil bergauf und bergab (10% Steigung lt. Schild) geht und alles nass ist. Zur Pause lädt das Wetter auch nicht ein und so laufe ich mit Ringo die 30 km in 7 Stunden durch, um in Viana in dier Herberge einzufallen. Wir gönnen uns ein 8- Bettzimmer, welches 2€ mehr als das 12- Bettzimmet kostet und hoffen, dass die Schnarcher geizig sind. Nach dem Duschen ruhen wir uns aus und legen die Füße hoch. Inzwischen regnet es kräftig, sodass wir keine Lust haben in die Stadt zu gehen. Später kauften wir ein und ich kochte uns Abendessen. Interessant ist, dass nur die Deutschen kochen. Andere Nationalitäten greifen auf Fertigsuppen zurück, sogar die Franzosen!
Nun bin ich schon eine Woche in Spanien und ich muss sagen es gefällt mir ausnehmend gut. Die Landschaft ist beeindruckend und vielfältig und hier wachsen all die Pflanzen im Freien, die wir in Pötten rein und raus schleppen. Heute sah ich eine " freiwachsende" Agave mitten im Nirvana. Die Olivenbäume finde ich faszinierend mit ihren alten, knorrigen Stämmen und auf einer Plantage bilden sie ein bizarres Bild, welches mich über ihr Alter meditieren lässt. Mit Spaniern und spanisch habe ich noch wenig Kontakt, denn die Sprache der Pilger ist englisch. Ich bin fasziniert, wer hier alles läuft. Eine amerikanische Familie mit 3 Kindern( danach geht es nach Deutschland zum Weihnachtsmarkt!), eine junge Frau aus Sibirien, 2Kanadier waren auch in der Herberge. In Viana waren 2 Berlinerinnen, Ute und Silvia. Ich bin in die Pilgerfalle gegangen und habe im ersten Laden eingekauft, zu völlig überteuerten Preisen. Lehrgeld, welches bezahlt werden muss.
Der Weg ist wunderbar ausgeschildert und vor jeder Straßenquerung stehen Schilder, dass in... Metern eine Straße kommt. Für die Autofahrer gibt es riesige Schilder, die auf die Pilger aufmerksam machen.
Ich sehe immer wieder Kreuze am Weg, von Pilgern deren Weg vor Santiago endete und es macht mich traurig und ich frage mich warum? Sie hatten wahrscheinlich keine Chance mehr anderen von ihren Erlebnissen zu erzählen. Was ist passiert? Ich verharre an den Kreuzen und verspreche ihnen, den Weg zu Ende zu gehen und an sie zu denken. Soviele jüngere sind darunter und ihre Familien lassen uns wissen, dass es sie gab.
Ja und langsam werden die Etappen weniger und die Kilometer schrumpfen... darüber will ich noch garnicht nachdenken, sondern alle Tage bis zum Schluss genießen.
Sonntag, 18. Oktober 2015
Spaniens Himmel breitet seine Sterne über meiner Isomatte aus...
Am letzten Abend luden mich Han und Willem zum Dinner ein
und wir bestellten Ente mit pepignol und frittes und mir blieb das Essen
im wahrsten Sinn des Wortes im Hals stecken. Der Abschied stimmte mich
traurig, das neue Abenteuer wartete und der Mut verließ mich kurzzeitig,
wie bei meinem Frankreichabenteuer.Schaffe ich die Etappe, die von
allen als hart beschrieben wird? Leichte Panik machte sich breit und mir
wurde richtig schlecht. Ich konnte nichts essen. Han bestellte einen
doppelten Pfirsichlikör und dann ging es mir besser. Ich verabschiedete
mich von den Beiden mit der Geschichte und zwei Schmunzelsteinen. Sie
fanden es wunderbar und waren gerührt. Wir gingen zur Herberge und das
Alter der Pilger hat sich stark verjüngt!
Im Schlafraum war schon Nachtruhe, wobei davon keine Rede
sein konnte. Es gab zwei Schallgrenzenschnarcher und 4 Schnarcher! 5
Uhr!!! klingelte der erste Wecker und dann aller 10 Minuten einer! Was
soll das? Draußen war es stockfinster! 6 Uhr war dann allgemeines
aufstehen und als wir in die Küche kamen war eine richtige "
Goldgräberstimmung" und die ersten liefen in die Nacht! Ich ging als
letzte und die Männer nahmen mich zum Abschied in den Arm und mir liefen
die Tränen. Ich stapfte los, im noch dunkel des Morgens und finde kaum
die Zeichen. Aber es läuft sich gut und nach einer halben Stunde habe
ich die Ersten eingeholt. Ich überhole Koreaner, Japaner, Franzosen, je
eine Schwedin und eine Österreicherin, aber keine Deutschen.
Es geht steil bergauf, aber der Weg ist breit und
asphaltiert, also kein Problem. Nach 1,5 Stunden habe ich den halben
Aufstieg und 7 km geschafft und laut Führer, sollte man hier überlegen,
ob die restlichen 17 km noch drin sind! Also nach 100 Tagen Training ist
das auch mit 15 kg ein Spaziergang!
11 Uhr war ich an der höchsten Stelle (1365m) und kurz
danach in Spanien. Es war eisig kalt und ich habe unterwegs lange Hose,
Jacke, Mütze und Handschuhe rausgeholt! ( Da war der Rucksack 1 kg
leichter!) Wolken zogen auf, Nebel hüllte mich ein und über mir kreisten
mehrere Adler. Ich begegnete außer vielen Pilgern noch Schafen und
Wildpferden. Es ist gigantisch. Aufwärts unterhalte ich mich ein Stück
mit Gabi aus der Wiener Neustadt. Sie empfindet den Weg auch als
"Alpenspaziergang". Ich gehe weiter und in einer Schutzhütte brennt der
Kamin und ich lege ein 2. Frühstück ein. Dann geht es geräuchert weiter.
Ich treffe Amanda, eine 21 jährige Schwedin, die auch
allein unterwegs ist und Lust auf einen Plausch hat. Wir unterhalten uns
lustig auf englisch und erreichen 13.45Uhr Roncavalles. Dort trinken
wir einen Kaffee zusammen. Roncavalles ist nur die Abtei und 2 Hotels.
In der Abtei wurde eine neue Pilgerherberge eröffnet. Doch 184 Betten in
3 Schlagsälen nach der letzten Nacht- Nein Danke! Ich verabschiede mich
von Amanda, die müde ist und laufe noch 7 km nach Espinal. Dort
erwartet mich eine private Herberge mit nur 10 Betten. Als ich ankomme,
bin ich allein. Meine erste spanische Herberge macht allen Gerüchten zum
Trotz einen sauberen und freundlichen Eindruck. Ich dusche ( die ist
allerdings recht frisch und härtet ab), wasche meine Klamotten für 3€ in
der Maschine, da alles nach Rauch stinkt und esse meine letzte
französische Pate auf Barguette. Inzwischen kommen Betsy und Tracy aus
Ohio und Oregan hier an. Sie sind den 2 Tag unterwegs von St. Jean Pied
de Port. Ja der Weg wird voller und meine Ängste sind der Freude
gewichen, die sich in mir breit macht. Spanien, dass letzte
Pilgerabenteuer!
Schneckentempo
Ich mutierte über Nacht zur Schnecke!
Spanien ist so nah und ich krieche dahin, weil es mit der Blase nur
langsam besser wurde. Aber ich habe ja Zeit. Der Morgen war wieder
phantastisch. Ich ging 7 Uhr in der Dämmerung zum Bäcker und wenn eine
Kleinstadt erwacht, so hat das was. Hier und da gehen Lichter an. Die
Fußwege sind noch leer, die Müllabfuhr rumpelte über die Straße, die
Laternen gingen aus und als ich auf dem Rückweg war, öffnete das erste
Bistro.
Wir starteten wieder in einen sonnigen Morgen und die Magie von Tau, Nebel und Sonne entwarf eine weitere Sinfonie des Herbstes.
Das Lustigste, was ich mit den beiden Holländern erlebe,
habe ich noch gar nicht erzählt. Es ist nicht das kulthafte Kaffee
kochen nach 7 km sondern das Hunde- Ritual: Jeder Hund kläfft hier, die
einen kurz, die anderen lästig lang und mir geht da immer der
Herzschrittmacher durch! Aber jetzt nicht mehr! Kläfft ein Hund zu
lange, schauen ihn die Beiden an und gehen nach rechts und nach
links.Willem ist ein Hühne groß und kräftig, Han eher der sportliche
Typ. Dann auf ein Zeichen hin rennen beide gebückt auf den Hund zu und
kläffen und knurren zurück! Das ist so urkomisch und jeder Hund zieht
den Schwanz ein, weicht aus oder rennt zurück! Ich lache jedes mal
Tränen darüber und bei kleinen Kläffern traue ich es mir auch schon. Es
funktioniert!
In Hagtemau bezogen wir schon am frühen Nachmittag die
Herberge. Municipal- also eine von der Sorte einfach und lieblos. Aber
es gab eine Bank vor der Tür und so konnten wir in der Sonne Kaffee
trinken, bevor wir zur Shopping und Sightseeingtour aufbrachen. Abend
saßen wir im Sonnenuntergang bei Chilli con carne.
Der Wecker klingelte am nächsten Morgen zeitig, denn vor
uns lagen fast 30 km, die ich langsam angehen wollte. Es klappte, dass
wir 8 Uhr die Herberge verließen. Der Himmel bot wieder ein
phantastisches Spektakel an Licht und Morgenröte mit Sonnenaufgang. Wir
liefen aus der Stadt auf eine Anhöhe und als wir oben ankamen, sah ich
sie: am Horizont wie ein Scherenschnitt, eine Fatamorgana - die
Pyrenäen! Mein Herz machte einen Purzelbaum und die Freude war
grenzenlos. Jetzt sah ich wie nah Spanien ist! Der leichte Schmerz in
der Ferse war vergessen und auf jeder Anhöhe schaute ich auf die Berge,
die mich den ganzen Tag schemenhaft begleiteten.
In Beyries hatte ich die härteste Toleranzübung des Weges.
Josef, ein drolliger, alter etwas verwahrloster Mann kam auf uns zu und
fragte herzlich nach dem woher und wohin. Er nötigte uns in sein Haus,
um uns Kaffee zu kochen.Die Küche war ein Graus, und er stellte
angeschlagene Tassen auf den Tisch, löffelte Carokaffee rein und nahm
lauwarmes Wasser aus der Leitung. Dabei plapperte er fröhlich auf uns
ein. Ich trank den Kaffee und dachte, wenn ich das überstehe, bringt
mich nichts mehr um. Er zeigte uns stolz seine Sammlung von
Pilgerkarten, die er von Kaffeetrinkern erhalten hat. Sie haben es trotz
Kaffeepause geschafft! Das gab Hoffnung. Als wir gingen packte er uns
noch 4 halbgute Tomaten ein. Er meint es wirklich lieb, aber....
Wir liefen weiter und fragten an einem Haus, ob wir im
Garten pausieren dürften. Es war kein Problem, denn die Eigentümer
fuhren eh gerade für 2 Stunden weg. So picknickten wir in der Sonne und
ruhten uns 1/2 Stunde auf der Sonnenliege aus.
Übrigens wurde bei meinem letzten Blog der Eindruck erweckt, dass ich mit den Holländern zu viel trinke. Deshalb hier das Beweisfoto, dass dem nicht so ist!
Übrigens wurde bei meinem letzten Blog der Eindruck erweckt, dass ich mit den Holländern zu viel trinke. Deshalb hier das Beweisfoto, dass dem nicht so ist!
Am späten Nachmittag kamen wir in Ortez an und bezogen
einen mittelalterlichen Turm( ehemaliges Hotel de la Lune), komplett für
Pilger eingerichtet. Mit Waschmaschine, Trockner, Fön und Butter,
Marmelade und Milch im Kühlschrank.Welch ein Luxus, da übersehe ich
glatt, dass die Farbe von den Wänden blättert.
Wir duschten und schrieben Tagebuch und ich stellte fest,
dass ich exakt nach Kilometer 2500 angekommen bin. Das muss natürlich
gefeiert werden! Mit Erdbeerlimo " Cremont de Bourgogne"!
Wir gingen in die Stadt um für das Abendessen einzukaufen
und kamen in der Fußgängerzone zum " Catwalk" einer Boutique mit
fetziger Lifemusik, sodass wir ein bischen blieben.
Bei angenehmen 20 Grad und bedeckten Himmel war das nächste
Ziel Osserain- Rivarethe. Der Weg dahin war abwechslungsreich und kaum
waren wir irgendwo oben, ging es wieder runter und immer wieder grüßten
in der Ferne die Berge. Unterwegs erinnern immer wieder Reste an alte
Pilgerstationen umd Hospitäler. In L' Hopital d' Orion ist eine sehr
schöne, schlichte Kirche aus dem 13.Jahrhundert erhalten geblieben und
lädt zur Einkehr ein. Ganz in der Nähe steht ein Pilger.
Da Sonntag war, gab es wieder das " Proviantproblem", aber
bei einem guten Pilger findet sich immer etwas im Rucksack, und wie
sagte schon meine Großmutter:" In der Not ißt der Teufel die Wurst auch
ohne Brot" und so kamen wir gut über den Tag. In Sauveterre- de- Bearn,
einem sehr hübschen mittelalterlicher Ort mit herrlichen Häusern, Kirche
und Stadtmauer,sollte es etwas geben, aber der Ort war Sonntags
ausgekehrt! Wir fanden ein offenes Restaurant mit einer wunderbaren
Terrasse hoch über dem " gave d' Oloron" und Blick auf die Pyrenäen,
aber zu essen fanden wir nichts. Also tranken wir nur etwas, ruhten aus,
genossen die Aussicht und liefen 3 km zu unserem privaten Refugio. Das
Haus heißt " mon reve ", mein Traum und ist es auch, denn Pascale, der
Besitzer unterstützt die Pilger ihren Traum zu leben. Er kümmert sich um
die Wäsche und möchte, dass wir uns rund um wohlfühlen. Das Haus selbst
wirkt dunkel und entfaltet seine Schönheit erst auf den 2. Blick. Der
Blick aus meinem Kabüffchen ( Kammer am Elternzimmer) weilt auf dem
Friedhof, also wird es schön ruhig.
Nach der Dusche entdeckte ich eine Waage und somit war Gewichtskontrolle angesagt. Yippiyeh, yeh, yippi, yippi jeh...die 10 kg- Marke ist geknackt! Da freue ich mich ja auf das Abendessen!
Damit überrascht Pascale sogar den Sternekoch. Im Abendmahl hat er seine baskischen Wurzeln offenbart. Es gibt einen spanischen Port als Apperitiv, danach eine richtig leckere Gemüsesuppe aus Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum baskischen Hähnchenschenkeln serviert er Butternudeln mir einem perfekten Tomaten- Paprikagemüse mit viel Knoblauch und einen Rjocha. Der Käse kommt aus der Normandie und der Nachtisch ist ein selbstgemachter Apfelmus mit Zimt und dazu Spekulatius.Am Ende schenkt er mir die restlichen Spekulatuis, weil er sah, dass ich sie lecker fand. So viel Freundlichkeit- Wahnsinn! Ein Hobbykoch mit einem großen Herz für Pilger!
So gingen wir mit einem guten Gefühl schlafen.
Nach der Dusche entdeckte ich eine Waage und somit war Gewichtskontrolle angesagt. Yippiyeh, yeh, yippi, yippi jeh...die 10 kg- Marke ist geknackt! Da freue ich mich ja auf das Abendessen!
Damit überrascht Pascale sogar den Sternekoch. Im Abendmahl hat er seine baskischen Wurzeln offenbart. Es gibt einen spanischen Port als Apperitiv, danach eine richtig leckere Gemüsesuppe aus Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum baskischen Hähnchenschenkeln serviert er Butternudeln mir einem perfekten Tomaten- Paprikagemüse mit viel Knoblauch und einen Rjocha. Der Käse kommt aus der Normandie und der Nachtisch ist ein selbstgemachter Apfelmus mit Zimt und dazu Spekulatius.Am Ende schenkt er mir die restlichen Spekulatuis, weil er sah, dass ich sie lecker fand. So viel Freundlichkeit- Wahnsinn! Ein Hobbykoch mit einem großen Herz für Pilger!
So gingen wir mit einem guten Gefühl schlafen.
Übrigens, auf dem Weg habe ich den ersten Mandarinenbaum in
" freier Wildbahn" gesehen. Es gab auch eine Art " Apfelbaum" an dem
gelbe Früchte hingen, die wie große Eiertomaten aussahen, welche mir
völlig unbekannt sind. Bananenbäume stehen hier neben Palmen und Bambus
in jedem Garten. Da merke ich, dass ich recht südlich bin.
Wolkenverhangen erwachte der nächste Tag, aber es war noch
immer warm. Am aufgeweichten Weg merkten wir, dass es nachts kräftig
geregnet haben muss. Da alles feucht war und uns ein Nieselregen
einholte, viel die Kaffeepause aus und wir liefen bis Saint Palais, wo
wir im Bistro den Kaffee tranken. Wir kauften für ein Picknick ein und
ich gönnte mir mein wohl letztes " pain almond" für lange Zeit. Die
Abschiedszeremonie von Frankreich beginnt.
Inzwischen war es wieder trocken und wir liefen auf einen steilen Weg hinaus. In der Mitte gab es das Picknick. Als wir oben ankamen steht auf der Wiese eine gigantische Skulptur aus dunklem Holz, welche wohl das Zusammentreffen der drei Pilgerwege, Via Podensis (von le Puy de Velay), Via Limovicensis ( von Vezelay) und Via Tourensis( von Tour) darstellen. Sie ist von Christian Lapie und heißt laut Schild " Le Reflet du Ciel".
Inzwischen war es wieder trocken und wir liefen auf einen steilen Weg hinaus. In der Mitte gab es das Picknick. Als wir oben ankamen steht auf der Wiese eine gigantische Skulptur aus dunklem Holz, welche wohl das Zusammentreffen der drei Pilgerwege, Via Podensis (von le Puy de Velay), Via Limovicensis ( von Vezelay) und Via Tourensis( von Tour) darstellen. Sie ist von Christian Lapie und heißt laut Schild " Le Reflet du Ciel".
Die eigentliche Kreuzung ist aber weiter unten, an der
Stele von Gibraltar, welches nach der alten baskischen Aussprache "
Chibaltarem" Treffen heißt.
Aber das wirklich glücksgefühle auslösende Moment, war
weder die Eine noch die Andere, sondern der Ausblick! Ringsrum waren
plötzlich Berge, ich sehe den Weg vor mir, wie er abwärts und wieder
aufwärts führt, dann auf dem Bergrücken weiter geht, um dann dahinter zu
verschwinden. Ich kann ihn gehen, bis zum Ende ohne umzudrehen! Ich bin
so glücklich.
Es ist wie in den Alpen ( Berge, Kuhglocken...), nur dass
an den Häusern keine Geranien hängen und die Fensterläden rotbraun
gestrichen sind.
Ich lief runter, ich lief hoch und oben auf dem Bergrücken überliefen mich die Freudenschauer, dass ich Holger anrufen musste, um ihn das zu erzählen und dabei liefen mir die Tränen über das Gesicht! Ganz schön durchgeknallt!
An der " Chapelle de Soyarce" schauten wir rundum ins weite Land, nur die Pyrenäen blieben im Wolkendunst erahnbar. Über uns ziehen große Scharen Wildgänse, die sich für den Flug nach Süfen formierten und dass war ein interessantes und geräuschvolles Spektakel.
Han wand oben angekommen sein Schweißtuch aus und es tropfte beeindruckend daraus. Der Anstieg hatte es in sich.
Ich lief runter, ich lief hoch und oben auf dem Bergrücken überliefen mich die Freudenschauer, dass ich Holger anrufen musste, um ihn das zu erzählen und dabei liefen mir die Tränen über das Gesicht! Ganz schön durchgeknallt!
An der " Chapelle de Soyarce" schauten wir rundum ins weite Land, nur die Pyrenäen blieben im Wolkendunst erahnbar. Über uns ziehen große Scharen Wildgänse, die sich für den Flug nach Süfen formierten und dass war ein interessantes und geräuschvolles Spektakel.
Han wand oben angekommen sein Schweißtuch aus und es tropfte beeindruckend daraus. Der Anstieg hatte es in sich.
Als wir in Ostabat- Asme einlaufen begann es wieder zu
regnen. Wir schlüpften in die erste Bar und tranken ein "Panache", bevor
wir unter der Regencapes verschwanden und noch einen Kilometer bis zur
Herberge liefen, wo das tägliche Ritual begann. Das die Wege
zusammenlaufen, merkten wir daran, dass abend beim Essen 15 Pilger
saßen! Bisher waren wir mit wenigen Ausnahmen unter uns. Draußen goss es
inzwischen in Strömen. Glück gehabt!
Abends wurden wir von unseren baskischen Gastgebern bekocht und erhielten als Entree und zum Dessert ein baskischen Chanson vom Chef persönlich. Den Refrain mussten wir dann alle mitsingen " Auf dem Weg nach Santiago ". Es ging mit Sangria und navarrischen Rotwein lustig zu.
Abends wurden wir von unseren baskischen Gastgebern bekocht und erhielten als Entree und zum Dessert ein baskischen Chanson vom Chef persönlich. Den Refrain mussten wir dann alle mitsingen " Auf dem Weg nach Santiago ". Es ging mit Sangria und navarrischen Rotwein lustig zu.
In der Nacht hat es durchgehend geregnet und so beginnt
mein 100. Tag regengrau. Die Wege haben sich in Matschpisten mit
Schmierseife verwandelt und ich bin froh meine Stöcke dabei zu haben. Es
geht aber gut voran und ich genieße es, wieder völlig schmerzfrei zu
laufen. Der Weg führte auch durch Schafherden und dabei stellte ich
fest, dass diese die Glocken um den Hals haben und nicht die Kühe.
Das Wetter sieht den ganzen Tag wacklig aus, aber es hält
durch. Pause machen wir erst in Saint-Jean-le-Vieux und dann im
Sturmschritt nach Saint-Jean-Pied-de-Port. An der" Porte Saint Jaques
wird das Zielfoto genommen und dahinter befindet sich schon die Herberge
Wir sind schon 13.10 Uhr da und das wird statistisch
erfasst. Am Fließband wird nach Name und Nationalität gefragt.10€ in die
Kasse und Quittung und Bettennummer ausgeteilt! Ich habe die 114 und
das ist ein Bett unten in einem 16-Mann- Zimmer! Duschen ist noch nicht,
da der Klemptner gerade da ist. Aber da kommt Janina ins Spiel. " Die
Mutter der Pilger" , wie sie sich selbst nennt ist ca. 80 und kocht uns
einen Kaffee und plappert fröhlich los.
Heute ist mein letzter Abend in Frankreich und mein letzter Abend mit Willem und Han, denn die Beiden fahren morgen mit dem Zug nach Biarritz, wo ihre Wechselsachen deponiert sind. Nach ein paar Ruhetagen werden sie meiner Spur folgen. Also Freude und Abschied dicht beeinander!
Heute ist mein letzter Abend in Frankreich und mein letzter Abend mit Willem und Han, denn die Beiden fahren morgen mit dem Zug nach Biarritz, wo ihre Wechselsachen deponiert sind. Nach ein paar Ruhetagen werden sie meiner Spur folgen. Also Freude und Abschied dicht beeinander!
Hasta la vista-Spanien ich komme!
Die Nächste Etappe mit Blase war nur 30 km lang.6km
Sandboden, der Rest Asphalt! Was soll ich sagen, ab Mittags war es
anstrengend, aber besser als am Vortag. Ich habe mich mit Logik und
Statistik abgelenkt und hier die Ergebnisse:
Ich bin seit 3 Monaten weg! Exakt 94 Tage. Noch 6 Tage, oder 140km
trennen mich von Spanien. Dann war ich 55 Tage in Frankreich und habe
1350km zurückgelegt. In Spanien erwarten mich nur noch knapp 900km.In
Deutschland waren es ca.1140 km. Also bin ich fast 3400 km unterwegs und
das klingt irgendwie richtig Klasse und tröstet über die Schmerzen.
Die Pilgerkasse habe ich in Deutschland mit duchschnittlich 2€ weniger belastet, als in Frankreich. Eingerechnet der Neuanschaffungen. Sonst wären es 10€ weniger gewesen, aber es gehört ja dazu. Tres bon! Alles in allem bin ich aber im Limit und lebe nicht am Limit. Das ist doch tröstlich.
Im Gegensatz zu Deutschland bin ich den größten Teil der Tage in Begleitung ( nur 26 Tage war ich allein) von netten Männern gelaufen.
Ja soetwas geht mir durch den Sinn, wenn ich nicht bei Sinnen bin. (Joachim, ich glaube, dass ist nicht das, was du unter " die eigenen Gedanken beobachten" meinstet!)
Die Pilgerkasse habe ich in Deutschland mit duchschnittlich 2€ weniger belastet, als in Frankreich. Eingerechnet der Neuanschaffungen. Sonst wären es 10€ weniger gewesen, aber es gehört ja dazu. Tres bon! Alles in allem bin ich aber im Limit und lebe nicht am Limit. Das ist doch tröstlich.
Im Gegensatz zu Deutschland bin ich den größten Teil der Tage in Begleitung ( nur 26 Tage war ich allein) von netten Männern gelaufen.
Ja soetwas geht mir durch den Sinn, wenn ich nicht bei Sinnen bin. (Joachim, ich glaube, dass ist nicht das, was du unter " die eigenen Gedanken beobachten" meinstet!)
Die Nacht war sehr unruhig und ich hatte starke Schmerzen.
Frisches Pflaster, Socken an und los ging es zu einer kurzen Etappe nach
Saint Sever. Der Morgen war beeindruckend frisch und die Sonne ging
langsam auf. Der Weg führte wieder durch Heide und der Tau auf den
Gräsern funkelte wie Svarovski- Steinchen. Nebel stieg auf und
Spinnengespinste sahen phantastisch aus. Ein magischer Morgen.
Donnerstag, 8. Oktober 2015
Allein, allein!?
Mogens startete ich ausgeruht und mit einem neuen Rucksack (ich habe
Holgers "Osprey" beschlagnahmt, denn der hat weichere Gurte,trägt sich
angenehmer und hat für Holger nach dieser Urlaubserfahrung eh
ausgedient) trotz Abschiedsschmerz gut gelaunt in den sonnigen
Oktobertag. Die Etappe hat es in sich und ich brauche eine Weile, bis
ich auf dem richtigen Weg kam.
Ist es egoistisch, wenn ich sage, dass ich es genoss auf niemamden Rücksicht zu nehmen und meinen Stiefel zu laufen? So schön es mit Holger war, so froh laufe ich in den Morgen und weiß, es ist mein Weg, mein Abenteuer, mein Tag!
Ich nehme den feuchten Duft des Waldbodens auf, rieche die Pilze, die sich da verstecken und sehe die im Sonnenlicht glitzernden Tautropfen an den Farnspitzen. Es ist Oktober und er beginnt so sonnig wie mit zu Mute ist.
Ist es egoistisch, wenn ich sage, dass ich es genoss auf niemamden Rücksicht zu nehmen und meinen Stiefel zu laufen? So schön es mit Holger war, so froh laufe ich in den Morgen und weiß, es ist mein Weg, mein Abenteuer, mein Tag!
Ich nehme den feuchten Duft des Waldbodens auf, rieche die Pilze, die sich da verstecken und sehe die im Sonnenlicht glitzernden Tautropfen an den Farnspitzen. Es ist Oktober und er beginnt so sonnig wie mit zu Mute ist.
Die ersten 17 km laufen sich von allein, dann wurde es
beschwerlicher, denn ich lief nur noch auf Teerwegen, welche sich durch
die Landschaft schlängelten. Nach einem steilen Anstieg hatte ich einen
Rundblick, der mir einen Freudenjauchzer entlockte! Es war rundum so
schön: hügelig, Wald und Wiesen bestanden, Weinberge, Häuser und der
Glanz des Oktobersonnenlichtes. Wahnsinnig, betörend schön und ich stand
allein mittendrin.
Im nächsten Ort rieche ich den Trester von Wein und als ich mich umschaue entdecke ich ihn auf dem Misthaufen. Meine Nase betrügt mich nicht. Am Weg steht jede Menge Minze und Zitronenmelisse und die Geckos laufen blitzschnell über den Asphalt. Der nächste Ausblick eröffnete mir den Anblick des Tals der "Dordonne" und da lief ich hinab und 2 km am Fluss nach Port-Sainte- Foy- et- Ponchapt, wo ich nach 35 km am Ziel ankam. Die Pilgerherberge ist vom Feinsten! Aufwendig renoviert mit vornehmer, begehbarer Dusche, moderner Küche und 2 Schlafräumen. Einen großen für die Männer (8 Betten) und ein Zweibettzimmer für die Frauen, dass ich allein für mich habe! Bezaubernd!
Bei den Herren treffe ich alte Bekannte: Han und Willem aus Holland. Wir gingen gemeinsam einkaufen und Han (Sternekoch und ehemaliger Restaurantbesitzer) kochte für uns ein leckeres Abendbrot. Dazu ein Fläschchen Rotwein aus dem " Bergerac" und ein netter Abend war gesichert.
Im nächsten Ort rieche ich den Trester von Wein und als ich mich umschaue entdecke ich ihn auf dem Misthaufen. Meine Nase betrügt mich nicht. Am Weg steht jede Menge Minze und Zitronenmelisse und die Geckos laufen blitzschnell über den Asphalt. Der nächste Ausblick eröffnete mir den Anblick des Tals der "Dordonne" und da lief ich hinab und 2 km am Fluss nach Port-Sainte- Foy- et- Ponchapt, wo ich nach 35 km am Ziel ankam. Die Pilgerherberge ist vom Feinsten! Aufwendig renoviert mit vornehmer, begehbarer Dusche, moderner Küche und 2 Schlafräumen. Einen großen für die Männer (8 Betten) und ein Zweibettzimmer für die Frauen, dass ich allein für mich habe! Bezaubernd!
Bei den Herren treffe ich alte Bekannte: Han und Willem aus Holland. Wir gingen gemeinsam einkaufen und Han (Sternekoch und ehemaliger Restaurantbesitzer) kochte für uns ein leckeres Abendbrot. Dazu ein Fläschchen Rotwein aus dem " Bergerac" und ein netter Abend war gesichert.
Der nächste Morgen begann mit einem perfekt gekochten Ei
und einer neuen Weggemeinschaft, denn die Holländer wollten mir eine
Abkürzung zeigen, die der Pfarrer ihnen gesagt hatte. Da begann das
Abenteuer a la hollandaise!
Die Abkürzung ging über die " alte" Eisenbahnbrücke an deren Ende wir über den Zaun stiegen. Ich sah schon die Schlagzeile:" Drei Pilger vom Zug erfasst", aber alles ging gut. Wir liefen wieder auf eine Anhöhe und über den Weinreben stieg der Morgennebel im Sonnenschein auf und es war ein sehr romatischer Anblick. Nach 8 km war Kaffeepause und Han holte den Kocher raus und kochte Kaffee. Als wir weitergingen kam Gil, der Franzose aus St. Astier dazu und wir liefen zu viert weiter. Han merkte, dass er sein Telefon!!! vergessen hatte und ging zurück. Wir liefen weiter und suchten eine Bank für ein Picknick und nichts war zu finden. Willem entdeckte in einem Vorgarten Tisch und Stühle und klopfte an der Tür an. Eine Französin in meinem Alter öffnete und als sie sah, dass wir Pilger sind, bat sie uns herein. Sie kochte Kaffee und Tee, stellte Kuchen, Brot, Pate und Trauben auf den Tisch und verließ uns für 20 min, da sie die Kinder von der Schule holen muss. Unglaublich! Wir stärkten uns und unterhielten uns mit Ann ( ihr Name) und erfuhren, dass sie 6 Kinder hat und sehr gläubig ist. Sie bittet uns für sie und ihre Familie eine Kerze zu entzünden. Das werden wir nicht vergessen. Wir zogen weiter und in Pellegrue trafen wir Han mit Handy wieder und liefen gemeinsam nach Saint-Ferme, wo uns die zweite schöne Pilgerherberge in Folge erwartet.
Wir wurden von Jean Pierre und Nicole begrüßt und abends auch lecker bekocht. Ich saß mit meinen Yeti-Puschen am Tisch und Nicole war total begeistert und wollte gleich im Netz recherchieren. Also machte ich Werbung für Yeti in Frankreich.
Die Abkürzung ging über die " alte" Eisenbahnbrücke an deren Ende wir über den Zaun stiegen. Ich sah schon die Schlagzeile:" Drei Pilger vom Zug erfasst", aber alles ging gut. Wir liefen wieder auf eine Anhöhe und über den Weinreben stieg der Morgennebel im Sonnenschein auf und es war ein sehr romatischer Anblick. Nach 8 km war Kaffeepause und Han holte den Kocher raus und kochte Kaffee. Als wir weitergingen kam Gil, der Franzose aus St. Astier dazu und wir liefen zu viert weiter. Han merkte, dass er sein Telefon!!! vergessen hatte und ging zurück. Wir liefen weiter und suchten eine Bank für ein Picknick und nichts war zu finden. Willem entdeckte in einem Vorgarten Tisch und Stühle und klopfte an der Tür an. Eine Französin in meinem Alter öffnete und als sie sah, dass wir Pilger sind, bat sie uns herein. Sie kochte Kaffee und Tee, stellte Kuchen, Brot, Pate und Trauben auf den Tisch und verließ uns für 20 min, da sie die Kinder von der Schule holen muss. Unglaublich! Wir stärkten uns und unterhielten uns mit Ann ( ihr Name) und erfuhren, dass sie 6 Kinder hat und sehr gläubig ist. Sie bittet uns für sie und ihre Familie eine Kerze zu entzünden. Das werden wir nicht vergessen. Wir zogen weiter und in Pellegrue trafen wir Han mit Handy wieder und liefen gemeinsam nach Saint-Ferme, wo uns die zweite schöne Pilgerherberge in Folge erwartet.
Wir wurden von Jean Pierre und Nicole begrüßt und abends auch lecker bekocht. Ich saß mit meinen Yeti-Puschen am Tisch und Nicole war total begeistert und wollte gleich im Netz recherchieren. Also machte ich Werbung für Yeti in Frankreich.
Die Nacht war weniger erholsam, zwei von drei Männern
schnarchten und ab 1Uhr tobte draußen ein Gewitter mit Blitz und Donner.
So war ich froh, dass ich 7Uhr aufstehen konnte. Das Frühstück zog sich
hin, denn draußen prasselte immer noch der Regen. Aber pünktlich 8 Uhr
hörte es auf und ich hatte den heiligen Jakobus im Verdacht mit Petrus
gesprochen zu haben. Jedenfalls klarte es nach und nach auf und wir
liefen in 4er Gemeinschaft los. Nach ein paar Kilometern verloren wir
Gil, weil die "Oranjes" einen Kaffee brauchten. Aber weit und breit kein
Bistro. Also flott einen Bauern, der über den Zaun schaute angequatscht
und ich weiß nicht, wie Han das macht, aber 10 min später saßen wir in
der Küche und bekamen einen Kaffee. Die Jungs nahmen einen Schluck
Kognak dazu, ich nur Zucker.
Dann ging es weiter und nach 15 km kam doch der kleine Hunger. Nun kam mein Part. Am Wegesrand "fand" ich Tomaten und Weintrauben und im Rucksack hatte ich Salami, Studentenfutter, Kekse und Schokolade. Was für eine Mahlzeit! So kamen wir Mittags in Reole an und genossen einen Kaffee bevor wir schauten, wo es ein Bett gab. Wir fanden es in 6 km Entfernung in Bassanne. Wir kauften für das Abendessen ein und zogen los. Ich sah eine Riesenplantage mit, ja was eigentlich? Ich schaute genau hin und es waren Kiwis!!! Na da freut sich ja der Rucksack.1,2,3 geerntet und schon hatten wir einen Nachtisch.
Dann ging es weiter und nach 15 km kam doch der kleine Hunger. Nun kam mein Part. Am Wegesrand "fand" ich Tomaten und Weintrauben und im Rucksack hatte ich Salami, Studentenfutter, Kekse und Schokolade. Was für eine Mahlzeit! So kamen wir Mittags in Reole an und genossen einen Kaffee bevor wir schauten, wo es ein Bett gab. Wir fanden es in 6 km Entfernung in Bassanne. Wir kauften für das Abendessen ein und zogen los. Ich sah eine Riesenplantage mit, ja was eigentlich? Ich schaute genau hin und es waren Kiwis!!! Na da freut sich ja der Rucksack.1,2,3 geerntet und schon hatten wir einen Nachtisch.
Hinter uns zogen schwarze Wolken auf und wir liefen mit
ihnen um die Wette. Gewonnen! Wir stellten uns mit den ersten Tropfen
unter und telefonierten, um abgeholt zu werden. Als das Auto kam, kam
auch Gil klatschnass an. Also wieder zu viert.
Die Herberge ist eine toll sanierte alte Mühle, welche mit ein bischen Pflege ein Schmuckstück wäre. Han meinte: "Ein Loft für Pilger!"
Ich fand frische Wäsche beim neugierig stöbern und so bezogen wir die Betten frisch. Dann genossen wir den herrlichen Raum und sahen dem Regen draußen trotzig zu.
Abends kochte ich in der Miniküche "Hackfleisch mit Ei" a la Bruni und dazu grünen Salat und die pessimistischen Kerle waren dann doch mit dem Ergebnis einverstanden. Der Übermut ließ Willem und mich den Abend mit " Hosen flicken", " Galgen raten" ( war aber zu schwierig) und " Fingerfußball" ausfüllen. Wir hatten einen Heidenspass.
Die Herberge ist eine toll sanierte alte Mühle, welche mit ein bischen Pflege ein Schmuckstück wäre. Han meinte: "Ein Loft für Pilger!"
Ich fand frische Wäsche beim neugierig stöbern und so bezogen wir die Betten frisch. Dann genossen wir den herrlichen Raum und sahen dem Regen draußen trotzig zu.
Abends kochte ich in der Miniküche "Hackfleisch mit Ei" a la Bruni und dazu grünen Salat und die pessimistischen Kerle waren dann doch mit dem Ergebnis einverstanden. Der Übermut ließ Willem und mich den Abend mit " Hosen flicken", " Galgen raten" ( war aber zu schwierig) und " Fingerfußball" ausfüllen. Wir hatten einen Heidenspass.
Kaum sind Pilger nicht unter Kontrolle, reißt die Ordnung
ein! Keiner von uns hatte einen Wecker gestellt und so wurden wir erst
7.45Uhr wach! Na ja, es war ja Sonntag. Frühstück mit perfektem Ei und
dann in die Startlöcher. Der Himmel war grau, der Asphalt auch, nur die
Laune war wieder bestens. Nach 10 km schmerzte meine rechte Ferse. Das
war weniger schön und als ich nachschaute, entdeckte ich eine fette
Blase auf der Hornhaut! Wie geht das denn? Also Pflaster drauf und
durch! In Auros ist " Brocante" und wir schauten uns um, blödelten und
fanden einen guten Kaffee und Kuchen. Schon ging es weiter und 7 km vor
dem Endziel war Mittagspause auf der Terasse einer alten Dame, die uns
Kaffee spendierte. Die Jungs haben es drauf.
In Bazas schauten wir uns die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste an, welche es auch auf die Welterbeliste geschafft hat. Sehr beeindruckend! Ich bin immer wieder erstaunt, dass hier die Kirchenfenster so vielfältig bunt gestaltet sind und scheinbar alle Zeiten überstanden haben. Dadurch wirken die Kirchen viel dunkler und geheimnisvoller.
Anschließend saßen wir in einem Bistro und tranken ein Bier. Dann begann die Zimmersuche. Es war nicht einfach und am Ende hatten wir nur die Wahl in ein Chateau zu gehen. Das klingt gut, aber der Komfort ist relativ einfach und dafür gut bezahlt. Gil verabschiedete sich, da er weiter laufen möchte.
Wir zogen ein und machten uns frisch. Die Eigentümer gingen zum Tanztee, sodass wir frech den Salon belegten, denn da war der Handy und Wifi-empfang am Besten.
Der Hunger trieb uns schon 18.30 Uhr in die Stadt und wir fanden nur ein chinesisches Restaurant, dass geöffnet hatte. Also aßen wir "kantonesisch-Standard", wie Han sarkastisch bemerkte. Wir waren die einzigen Gäste und das war Sonntagabend schon ungewöhnlich. Als wir 20 Uhr gingen, entdeckten wir noch drei geöffnete Restaurant! Klar, wir sind in Frankreich, da wird spät gegessen. Wir gingen in einen recht gemütlich eingerichteten "Tabac", um das Nachtleben am Puls der Stadt zu genießen. Willem schaute sich am Fussball fest und Han und ich versuchten Billiard zu spielen. Ich habe es erst einmal bei der Kur vor 20 Jahren gespielt und Han hatte auch keine Ahnung von den Regeln, obwohl er schon öfter gespielt hat, aber wir hatten jede Menge Spass und irgendwann lasse ich mir mal die Regeln erklären. Wir hatten unser eigenes Punktesystem und am Ende habe ich beide Spiele gewonnen.( Hans hat gezählt!)
Nach diesem fröhlichen Abend zogen wir in unser Schloss.
In Bazas schauten wir uns die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste an, welche es auch auf die Welterbeliste geschafft hat. Sehr beeindruckend! Ich bin immer wieder erstaunt, dass hier die Kirchenfenster so vielfältig bunt gestaltet sind und scheinbar alle Zeiten überstanden haben. Dadurch wirken die Kirchen viel dunkler und geheimnisvoller.
Anschließend saßen wir in einem Bistro und tranken ein Bier. Dann begann die Zimmersuche. Es war nicht einfach und am Ende hatten wir nur die Wahl in ein Chateau zu gehen. Das klingt gut, aber der Komfort ist relativ einfach und dafür gut bezahlt. Gil verabschiedete sich, da er weiter laufen möchte.
Wir zogen ein und machten uns frisch. Die Eigentümer gingen zum Tanztee, sodass wir frech den Salon belegten, denn da war der Handy und Wifi-empfang am Besten.
Der Hunger trieb uns schon 18.30 Uhr in die Stadt und wir fanden nur ein chinesisches Restaurant, dass geöffnet hatte. Also aßen wir "kantonesisch-Standard", wie Han sarkastisch bemerkte. Wir waren die einzigen Gäste und das war Sonntagabend schon ungewöhnlich. Als wir 20 Uhr gingen, entdeckten wir noch drei geöffnete Restaurant! Klar, wir sind in Frankreich, da wird spät gegessen. Wir gingen in einen recht gemütlich eingerichteten "Tabac", um das Nachtleben am Puls der Stadt zu genießen. Willem schaute sich am Fussball fest und Han und ich versuchten Billiard zu spielen. Ich habe es erst einmal bei der Kur vor 20 Jahren gespielt und Han hatte auch keine Ahnung von den Regeln, obwohl er schon öfter gespielt hat, aber wir hatten jede Menge Spass und irgendwann lasse ich mir mal die Regeln erklären. Wir hatten unser eigenes Punktesystem und am Ende habe ich beide Spiele gewonnen.( Hans hat gezählt!)
Nach diesem fröhlichen Abend zogen wir in unser Schloss.
Da die Jungs immer noch nicht die Nase von mir voll hatten,
zogen wir gemeinsam weiter. Nachdem der Rucksack mit Proviant gefüllt
war, liefen wir der Ausschilderung hinterher und verliefen uns, weil wir
einen Bauzaun, der den Weg versperrte ernst nahmen. Als wir nach 1
Stunde im Kreis wieder da ankamen, überwanden wir ihn und waren richtig.
Der Weg war eine alte Bahntrasse und führte schnurgerade durch das
Nichts! Der Boden war sandig und das ganze Gebiet ist " Landes", also
Heidelandschaft. Es wurde unter Napoleon trocken gelegt und mit Kiefern
und Eichenwald befestigt. Es zählt zu den größten zusammenhängenden
Waldflächen Europas und ist sehr dünn besiedelt. Wir sehen also den Weg
vor uns und rechts und links Kiefern, Eichen, Farn und Heide! Damit es
nicht zu langweilig wird, schickte uns Petrus einen plötzlichen
Regenguss. Indem Moment wo wir überlegten, ob es vorbei zieht
oder....schüttete es los! Wie bei einer Feuerwehrübung warfen wir
blitzschnell die Rucksäcke ab, holten das Regencape raus und waren auch
schon nass! Rucksack auf- Regencape drauf und schon zogen 2 blaue und 1
rotes Regengespenst durch den Wald. Diese Alarmübung sollten wir
unbedingt noch üben, denn es ist nicht so einfach ein Regencape über den
Rucksack zu ziehen! Es goss in Strömen und als wir eine Straße querten,
sahen wir in 100 m Entfernung eine Autowerkstatt, wo wir Unterschlupf
und einen Kaffee bekamen. Nach 30min war alles vorbei, die Sonne kam
raus und wir trockneten ab. Es ging weiter gerade aus und der Weg war
voll Wasser gesogen, sodass es sich wie auf einem Teppich lief, was
meiner Ferse sehr gut tat. Wenn ich nicht dran dachte, war alles gut!
Wir picknickten um die Mittagszeit im dampfenden Wald. Die Temperatur
war bei angenehmen 22 Grad, wie uns ein Thermometer verriet. Nach 20
geraden Kilometern kamen wir in Capiteux an und bezogen eine neue Art
der Pilgerherberge. Ein kleiner Bungalow direkt auf dem Grundstück des
"marie", mit ZWEI !!! Schlafräumen, 2 Duschen, Miniküche und Terrasse!
Welch ein Luxus. Ich besorgte Kaffee, Kekse und Trauben und 15.30 Uhr
saßen wir in der Sonne.Wieder so ein toller Pilgertag!
Danach war Waschtag und alles auf die Leine, neben die nun trocknenden Capes.
Nach dem Duschen schaue ich nach meiner Blase und die ganze Ferse ist dick und entzündet. Die Blase selbst ist prall und thront wie eine Insel im Entzündungsherd! Merde! Pardon, aber mehr fällt mir dazu nicht ein!
Ich versuchte sie mit der Nadel aufzustechen , da sie aber unter der Hornhaut liegt, ist das ein Witz. Ich nahm also die Schere und " operierte" am offenen Fuß! Es lief und lief und alles wurde besser. Der Druck ließ nach und ich legte die Füße den Rest des Nachmittags hoch!
Danach war Waschtag und alles auf die Leine, neben die nun trocknenden Capes.
Nach dem Duschen schaue ich nach meiner Blase und die ganze Ferse ist dick und entzündet. Die Blase selbst ist prall und thront wie eine Insel im Entzündungsherd! Merde! Pardon, aber mehr fällt mir dazu nicht ein!
Ich versuchte sie mit der Nadel aufzustechen , da sie aber unter der Hornhaut liegt, ist das ein Witz. Ich nahm also die Schere und " operierte" am offenen Fuß! Es lief und lief und alles wurde besser. Der Druck ließ nach und ich legte die Füße den Rest des Nachmittags hoch!
Übrigens: Bei Paulo Coelho's Jakobsweg bekommt die
Hauptfigur immer Übungen auf dem Weg. Ich auch: Bei mir heißen sie
Toleranzübungen: Die erste war Gil und seine Eßgewohnheiten. Also nicht
von diesen auf den Rest der Person zu schließen. Ist mir nur mit
Anstrengung gelungen.
Die Zweite ist: Kann ich Schlafräubern ( Schnarchern) auf Dauer morgens fröhlich "Guten Morgen" wünschen, wenn ich nachts wach lag? Ich kann.... und ich kann es immer besser! Letzte Nacht lag ich wach, weil mal einen Moment keiner geschnarcht hat! Das fand ich schon wieder lustig!
Die Zweite ist: Kann ich Schlafräubern ( Schnarchern) auf Dauer morgens fröhlich "Guten Morgen" wünschen, wenn ich nachts wach lag? Ich kann.... und ich kann es immer besser! Letzte Nacht lag ich wach, weil mal einen Moment keiner geschnarcht hat! Das fand ich schon wieder lustig!
Abends gingen wir ins Kino. Captieux mit 1900 Einwohnern
hat ein Kino mit fast 200 Plätzen und für 5€ ( Rentner 3€) sahen wir
gemeinsam mit einem. französischen Paar den Film über Amy Winehouse,
welcher im Originalton mit Untertiteln lief. So hatte ich doch die
Chance einiges zu verstehen, aber es gab ja viel Musik zum hören.
Der nächste Tag begann ganz mild und wir liefen schon in
der Dämmerung ( kurz vor 8 Uhr) los, da die Etappe lang war. Schon die
ersten Schritte auf der Bahntrasse versprachen mir, dass es kein guter
Tag wird. Aber mein Optimismus schaltet erst einmal die Signale, die auf
mein Hirn vom Fuss trafen aus. Der Sonnenaufgang war phantastisch! Nach
und nach vergoldete sie die Bäume, Sträucher und Farne am Wegesrand,
der Hahn krähte, Vögel zwitscherten, dass hatte etwas magisch-
perfektes. Es war irrsinnig schön wie Licht und Schatten variierten und
die Blatt- und Farnfarben ein bezauberndes Farbspiel kreiierten. Der
Bahntrasse folgten wir 10 km und die Schottersteine prägten mein
Empfinden. Danach wechselten wir auf die andere Seite der Autobahn und
dahinter wurde der Weg sandig und mit Kiefernadeln bedeckt zur "
Wohltat". Nach einer Pause ging es weiter und nach 20 km kommen wir in
Bourriot-Bregone an, wo es einen " Tabac" gibt. Aber der schließt in 15
min! Wir bekamen aber noch ein Radler und einen Kaffee und durften auf
der Terrasse unsere Pause beenden, trotz Schließung. Danach ging es ein
paar Kilometer richtig gut! Ich jammer ja nicht oft, aber heute war es
soweit und ehrlich gesagt hatte ich die letzten Kilometer nicht viel
Spass, aber Willem und Han lästerten so nett, dass ich wieder lachen
konnte. Ich stützte mich auf meine Krücken und habe kaum noch einen
Blick für die Umgebung.Ich fühlte mich " undankbar" und sah wieder
bewußt die verschieden blühenden Erikabüsche, gelbe Sternenblümchen,
grün von Ginster und Kiefernschösslingen und weiße " Fussel"
-blütenstände, dazu braun getönte Farne und Pilze in jeder Facette.
Wirklich einzigartig, wenn ich alle Sinne dafür frei hätte. Als ich
endlich die ersten Häuser von Roquefort ( nicht dass vom Käse) sah,
entrang sich meiner geschunden Seele ein lautes " Ja"- Stöhnen, was dem
von Sally ( im Film, jeder kennt die Szene) sehr nahe kam. Han und
Willem lachten sich total kaputt und fragten:" Bruni, geht es noch?" Das
ist die Frage! Im "Tabac" brauchte ich erst einmal ein Radler und noch
eins und dann konnte ich ins Refugio humpeln. 36 km geschafft- auf der
ganzen Linie!!!
Das Refugio gehört zur Kategorie " Klasse". Alles da, alles
sauber, Waschmaschine und Trockner! Nach dem Duschen war also
Waschtag. Die Jungs gingen einkaufen und ich darf die " Waschmaschine"
hüten. Sie sind wirklich zwei liebe Kerle und verwöhnten mich mit Bier,
leckerem Essen, Wein zum Essen und Chips. Im Refugio war auch Ruth, eine
70 jährige Australierin, die mir eröffnete, dass sie nachts auch
schnarcht und spricht und so wird die Nacht sicher lustig. Eine
Steigerung meiner Toleranzübung!
Samstag, 3. Oktober 2015
Die letzten Tage Urlaub?
Bei herrlichsten Wetter, ausgeschlafen ( der Wecker
klingelte erst 7.30Uhr und nach einem netten Frühstücksgeplauder
starteten wir nach Perigeux. Der Weg meinte es gut mit Holgers Füßen,
denn bis auf die letzten 3 km war alles Waldweg. Da montags in
Frankreich die Bäcker meistens geschlossen sind, hatten wir keinen Grund
eine große Pause zu machen. Am Weg lagen nur kleine Ansammlungen von
Häusern, so dass auch kein Bistro lockte. Kurz vor Perigeux gingen wir
in einen Intermarche und kauften ein Picknick und Holger konnte einer
Flasche Federweißer nicht wiederstehen. Auf dem "cimetiere nord" suchten
wir uns eine sonnige Bank und aßen und tranken. Nach dem 4. Schluck
Wein merkte ich die Wirkung. Leerer Magen und Federweißer! Ich war froh
den Rest des Weges an zwei Stöcken laufen zu können.
Im Refugio stellte ich fest, dass ich meine Wasserflasche nicht richtig
zugemacht hatte und nun schwamm der halbe Rucksack! Non vino a jour!!!
Nach einer Regenerationsphase liefen wir in Altstadt um diese und die Kathedrale zu besichtigen, welche einfach " manifique" ist. Herrlich von außen, beeindruckend von innen und zauberhaft von der anderen Seite der "Isle". Wir liefen ( besser schlichen) durch die Altstadt und kauften ein kleines Abendbrot ein, denn auch die Restaurants sind montags geschlossen. Außerdem hat Holger noch eine neue Blase und will nur noch die Füße hochlegen. Inzwischen sind zwei Holländer und ein Franzose eingetroffen und so saßen wir in großer Runde am Tisch, aßen, tranken einen "Bergerac" und klönten. So geht das Pilgerleben. Diese Zeit des Tages gefällt dann Holger doch ganz gut. Sonst findet er " marcher, manger et dormir" ( wandern, essen, schlafen) eher langweilig bzw. strapaziös.
Nach einer Regenerationsphase liefen wir in Altstadt um diese und die Kathedrale zu besichtigen, welche einfach " manifique" ist. Herrlich von außen, beeindruckend von innen und zauberhaft von der anderen Seite der "Isle". Wir liefen ( besser schlichen) durch die Altstadt und kauften ein kleines Abendbrot ein, denn auch die Restaurants sind montags geschlossen. Außerdem hat Holger noch eine neue Blase und will nur noch die Füße hochlegen. Inzwischen sind zwei Holländer und ein Franzose eingetroffen und so saßen wir in großer Runde am Tisch, aßen, tranken einen "Bergerac" und klönten. So geht das Pilgerleben. Diese Zeit des Tages gefällt dann Holger doch ganz gut. Sonst findet er " marcher, manger et dormir" ( wandern, essen, schlafen) eher langweilig bzw. strapaziös.
Doch er musste weiter laufen. Der nächste Morgen war kalt,
aber die Sonne schien und brachte dann doch die mollige Wärme, um
Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Der Weg war wieder abwechselnd
Straße und Waldweg und mittags setzten wir uns in die Grünanlage von
Gravelle. Dort folgten wir gehorsam der Ausschilderung und stellten nach
einiger Zeit fest, dass der Weg verlegt bzw. neu als Rad- und Wanderweg
angelegt wurde. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass wir nicht mehr
hoch und runter mussten, sondern auch, dass sich die Etappe um 5 km
verkürzte. Holgers Kommentar:" Ich bin zwar auf dem Weg noch nicht dazu
gekommen mit Gott in Verbindung zu treten, aber manchmal erhört er
mich!"
Dazu fällt mit nichts mehr ein!
Wir bezogen ein schönes Haus, welches an Pilger vermietet wird und trafen auf Philipp und Elisabeth, die am anderen Ende ein Zimmer bezogen. So ist die Nachtruhe und Holgers Erholung gesichert. Hier gab es eine Waage und ich konnte feststellen, dass Frankreich nicht zur Erreichung des Idealgewichts beiträgt. Aber wozu bin ich hier, wenn ich nicht mit allen Sinnen genießen will. Der Rucksack hat mit Kleiderwechsel zum Glück nicht zugelegt.
Dazu fällt mit nichts mehr ein!
Wir bezogen ein schönes Haus, welches an Pilger vermietet wird und trafen auf Philipp und Elisabeth, die am anderen Ende ein Zimmer bezogen. So ist die Nachtruhe und Holgers Erholung gesichert. Hier gab es eine Waage und ich konnte feststellen, dass Frankreich nicht zur Erreichung des Idealgewichts beiträgt. Aber wozu bin ich hier, wenn ich nicht mit allen Sinnen genießen will. Der Rucksack hat mit Kleiderwechsel zum Glück nicht zugelegt.
Holgers letzte Etappe brach an und er startete mit diesem
Wissen doch recht motiviert. Selbst als wir feststellten, dass wir auf
dem etwas längeren Teil des Weges sind, fand es es nicht so schlimm,
denn er war recht abwechslungsreich und sehr gemütlich. Unser
Mittagspicknick hielten wir am Ufer der Isle gegenüber eines Schlosses.
Ja so hatten wir noch einen schönen und preiswerten Abend als Abschluss von Holgers Pilger-Stippvisite. Eins ist sicher, Holger freut sich auf unsere Wohnmobilurlaube und hat nun einen ganz neuen Blick auf das, was ich hier mache. Auch wenn er es nicht verstehen kann, ist es doch schön, dass er mich ziehen lässt
Dienstag, 29. September 2015
Holger hat Geburtstag
7 Uhr klingelte der Wecker im Bungalow und es gibt weder
Kerze noch Kuchen beim Aufstehen, denn wir hatten uns am Ort
vorbeibewegt. So richtiges Geburtstagsfeeling kam um diese Zeit bei
Holger nicht auf und er tat mir echt leid, aber ich war froh, dass ich
heute bei ihm sein konnte.
Also packten wir die Sachen und liefen ins Dorf. Die Kirche war offen
und ich entzündete für Holger eine Kerze und sang ihm ein
Geburtstagslied, was gut in der Kirche hallte.
Dann kauften wie Croissants und suchten uns eine Brasserie, wo wir frühstückten. Frisch gestärkt marschierten wir bei herrlichsten Sonnenschein auf der " route Napoleon" 15 km geradeaus nach Sorges, wo ich als Geburtstagsüberraschung einen Tisch am Mittag ( abends ist es geschlossen) in einem Nobelrestaurant bestellt habe.
Die Strecke ist trotz Kürze nicht ohne, denn alles ist Asphalt.
In Sorge verabschiedete sich Luc von uns, denn er möchte bis nach Perigeux laufen, um Philipp, dem Schnarcher, zu entkommen. Das war für ihn der Horror.
Dann kauften wie Croissants und suchten uns eine Brasserie, wo wir frühstückten. Frisch gestärkt marschierten wir bei herrlichsten Sonnenschein auf der " route Napoleon" 15 km geradeaus nach Sorges, wo ich als Geburtstagsüberraschung einen Tisch am Mittag ( abends ist es geschlossen) in einem Nobelrestaurant bestellt habe.
Die Strecke ist trotz Kürze nicht ohne, denn alles ist Asphalt.
In Sorge verabschiedete sich Luc von uns, denn er möchte bis nach Perigeux laufen, um Philipp, dem Schnarcher, zu entkommen. Das war für ihn der Horror.
Wir sagen also Adieu und ich weiß nicht, ob wir uns auf dem
Weg noch einmal begegnen, aber ich weiß, dass wir uns nochmal
wiedersehen. Die Zeit mit ihm war sehr lustig und angenehm. Jetzt ist
Holger noch eine Woche bei mir und
wer weiß, wer mir dann irgendwo über den Weg läuft.
wer weiß, wer mir dann irgendwo über den Weg läuft.
In Sorge gingen wir zum Office de Tourisme und besorgten
uns ein Chambre d hotel, denn auch wir wollen kein Schnarchkonzert.Ein
Zimmer mit Bad ganz allein für uns! Welch ein Luxus auf dem Jakobsweg.
In der "Auberge de la truffle" schaute uns der Chef ( im
Anzug) etwas pikiert an (wir in Wanderschuhe, Sporttrikot und kurze
Hose), aber er führte uns zum reservierte Tisch. Als Apperitiv empfahl
er uns einen Champagner mit ein bischen Whiskey und Erdbeersaft. Als wir
ihn und ein Menü bestellten, wurde er zugänglicher und als Holger
erzählte, dass ich fast 2200 km zu Fuß gepilgert bin, zollte er mir
Respekt und ich glaubte, nun war unser Outfit gerechtfertigt. Ich
brauchte den Geburtstagsjoker nicht ausspielen, obwohl ich es kurz
überlegte, denn der Kellner sang einer älteren Dame ein Geburtstagslied.
Das Essen, ein 4 Gangmenü vom Feinsten war köstlich und wir tranken dazu eine Flasche Bordeaux. Das war mein Geschenk an meinen tollen Mann, der trotz lädierter Füße bei mir blieb und tapfer mit mir weiter läuft. Ja und ich hoffe, dass bleibt die Einzige Pilgerkassenplünderung, denn sonst muss ich die nächsten Wochen hungern!
Schließlich gibt es einen Tagesetat, der seit Luc von den gelaufenen Kilometern und dem Wetter abhängt. Danach müsste ich heute noch 35 Regenkilometer oder 52 Sonnenkilometer laufen!!! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel! Auf jeden Fall werden wir diesen Geburtstag nicht vergessen.
Das Essen, ein 4 Gangmenü vom Feinsten war köstlich und wir tranken dazu eine Flasche Bordeaux. Das war mein Geschenk an meinen tollen Mann, der trotz lädierter Füße bei mir blieb und tapfer mit mir weiter läuft. Ja und ich hoffe, dass bleibt die Einzige Pilgerkassenplünderung, denn sonst muss ich die nächsten Wochen hungern!
Schließlich gibt es einen Tagesetat, der seit Luc von den gelaufenen Kilometern und dem Wetter abhängt. Danach müsste ich heute noch 35 Regenkilometer oder 52 Sonnenkilometer laufen!!! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel! Auf jeden Fall werden wir diesen Geburtstag nicht vergessen.
Abonnieren
Posts (Atom)



























