Mittwoch, 5. August 2015

Happy Birthday oder Bonifatius ist erledigt!

Heute nun habe ich Geburtstag und bin das erste Mal seit 51 Jahren allein an diesem Tag. Aber ich bin nicht allein, denn jede Menge "sms" und " verpasste Anrufe" zeigen mir das Gegenteil! Ich beantworte nicht alle, sondern sage hier allen herzlichen Dank.
Mein Liebster hat mit zum Geburtstag zwei Hotelübetnachtungen in Mainz geschenkt und nun fühle ich mich wie Harpe Kerkeling in Wanderkluft im " Hilton" so schön weicheiig! Aber schließlich habe ich es mir hart erwandert!
Die letzten Etappen auf der Bonifatiusroute waren sehr anstrengend. In Sichenhausen verabschiedete ich mich von Dorothea nach einem netten Frühstück. Sie bot mir spontan an bei ihr zu übernachten, wenn ich nach Kleinkarben laufe. Das war ein tolles Angebot, welches ich gern annehmen werde da die Übernachtungssuche anstrengend und teuer ist.
Die Gemeinden bieten keine Pilgerherbergen an, obwohl alle schöne, große Gemeindehäuser haben. Das ist ein echtes Manko, geht doch so der Pilgergedanke verloren und es wird mehr ein sportlicher Wettkampf bis zum nächsten preiswerten Bett. Auch fand ich zwei Etappen rund um Frankfurt nur geschlossene Kirchen, so dass die Ruhe und Besinnung im geschützten Raum der Kiche verloren ging.Hier gibt es noch richtigen Nachholbedarf!

Aber ich lief in Sichenhausen los, denn der Wald wartete und an der ersten Wegbiegung begrüßte mich ein Reh, ansonsten begegnete ich niemanden. Mein Ziel war Eschborn, denn nur dort fand ich noch ein Bett für diese Nacht. Unterwegs besorgte ich mir das 1. Mal richtig Proviant, weil die Übernachtungen teuer werden und ich das Essen gehen einschränken will, um in meinem Limit zu bleiben. Der Heißhunger lässt mich gleich vor Rewe 2 Joghurt und 1/2 l Kakao verschlingen. Der Rest muss nun geschleppt werden.  Es ging weiter und ich merkte, dass ich vom Weg abgekommen bin. Also Korrektur und ich finde den Weg in Lißberg wieder . Stolz laufe ich und wundere mich, als ich an einer Straße raus komme, die es in meiner Karte nicht gibt! Mist! Drehen der Karte hilft nicht! GPS- Funkloch!! Merde! Ich steh' im Wald... und da kommt ein Auto! Hurra! Finger raus und Leid geklagt! Ich bin in die falsche Richtung gelaufen, also 6km zurück! Der freundliche Mann lädt mich in sein Auto ein und nimmt mich mit zum Ausgangspunkt meiner Odysee und jetzt erkenne ich den Denkfehler! Noch gut 3 km und ich bin im  "Hessenhof" wo ich abends im sonnenbeschienenen Biergarten sitze und mir Pommes mit Salat und ein Radler gönne und dann wie ein Murmeltier schlafe.
Das Frühstück ist so reichlich, dass ein Mitnehme- Käsebrötchen hängen bleibt.Auf der ersten Wiese begegne ich wieder Rehen und schon nach 1/2 Stunde den ersten Gassi-Runden- Geher. Am ersten Picknickplatz telefoniere ich wegen eines Bettes und erhalte 5 Absagen! Die letzte gibt mir aber eine Telefonnummer und da habe ich Glück. Heute steht mein Bett in Rommelshausen.Auf dem Weg nach Glauberg treffe ich tatsächlich 4 andere Pilger und wir schwatzen kurz. Ich schaue mir das Keltenmuseum an und raste vor dem Museum. Ab da wird der Weg anstrengend. Nur noch Betonradwege und die Sonne knallt unbarmherzig.
In Rommelshausen begrüßt mich REWE und ich kaufe mir Melone aus der Kühltheke und gefüllten Streuselkuchen. Mein Quartier finde ich auf Anhieb und die Gastgeber sind ein nettes Ehepaar mit denen ich angeregt schwatze. Das Quartier ist eine herrliche Ferienwohnung und ich darf mich in die Relexbadewanne legen und lasse mir den Schaum um die Nase schwimmen.
1Stunde völlige Entspannung aller Muskeln. Welch eine Wohltat! Ich esse auf der Terrasse und gehe recht früh schlafen.
Am nächsten Morgen esse ich mein Müsli-Kaffee- Frühstück und laufe schon kurz nach 7 Uhr in einen sonnigen Sonntag hinein.Es geht zum Kloster Engelthal, aber der Gottesdienst hat schon angefangen, sodass ich nicht stören möchte und weiter ziehe.Unterwegs begegne ich jeder Menge Radfahrer, Jogger und Spaziergänger. Mit meinem Rucksack erwecke ich manche neugierige Frage und alle wünschen mir einen guten Weg.

Ich erreiche bei 36 Grad Eichen, ein wunderschönes Fachwerkdörfchen mit einer " Bücherzelle"(s. Foto). Das trifft sich ja richtig gut, denn gerade gestern fehlte mir ein bisschen Lektüre. Mein ausgelesenes Buch habe ich ja in Blankenau als " Wanderbuch" liegen lassen. Ich stöbere durch die Reihen und entscheide mich für "Der Wettlauf zum Südpol". Ich glaube bei den Temperaturen ist so ein " kühles" Buch eine erfrischende Abwechslung. Der Rucksack wird dadurch etwas schwerer, aber langsam bin ich trainiert.

Am Abend bin ich nach 33 km und 4 Litern Wasser bei Dorothea zu Gast. Sie holte mich an der Kirche in Kleinkarben ab und bringt mich zu ihrem Haus. Ihr Mann Klaus begrüße mich herzlich. Er ist ein richtiger hessischer Brummbär. Liebenswert und ein super Koch. Frisch aus dem Garten geerntet, kocht er uns Speckbohnen mit Kartoffeln und Salat. Dazu gibt es einen leichten Weisswein und das alles im Garten genossen, war ein Fest! Mit Dorothea unterhalte ich mich über Kinder, Bildung, Erziehung  (sie ist Lehrerin) und über das Leben. Mit ihrer herzlichen, frischen Art fühle ich mich bei ihr gut aufgehoben und bin erstaunt, als sie von ihrem 60 igsten Geburtstag erzählt, der schon eine Weile her ist. Ich dachte sie wäre etwa in meinem Alter! Ja Kinder halten jung! Wir saßen bis Mitternacht in ihrem Garten.
Morgens stellte ich mich und den Rucksack auf die Waage. Der Rucksack wiegt immer noch 15 kg mit Proviant, aber ich bin 4kg leichter. Hipp hipp hurra!
Nach dem Frühstück brachte mich Dorothea zur Kirche zurück und wir liefen zum Dorfrand, bevor wir uns verabschiedeten. Nun hoffe ich, wir bleiben in Verbindung.
Bei extremer Hitze (39 Grad) ging es endlos über Beton-Feldwege.Hier wuselten nur Feldmäuse in der trockenen Erde und ich laufe im Staub der trockenen Äcker und begegne nur einem " Gülle- Schmeißer", was das
Ganze noch zu einer stinkigen Angelegenheit macht!
Schon von weitem lag die Silhouette von Frankfurt mir zu Füßen. Ich näherte mich ihr allmählich, ließ sie aber im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Ich bewege mich den ganzen Tag im Speckgürtel der Metropole und schön ist es selten, dafür aber extrem laut.

Um zur Bonifatiusquelle zu kommen, laufe ich durch ein Neubaugebiet, dass an sozialistische Großprojekte erinnert.Herrlicher Blick aus Einheitshäusern mit sterilem Umfeld. Danach schließt sich der Campus der Goethe- Uni an und setzt das Bild fort! Riesig- Protzig- Leblos/ Lieblos!
In Eschborn habe ich eine mütterliche Pensionswirtin gefunden, die mir eine Nacht in ihrem privaten Gästezimmer anbietet, da der Pensionspreis zwar Frankfurt- adäquat ist, aber meine Pilgerkasse sprengen würde. Wir unterhalten uns auf ihrer Terrasse und sie schüttelt nur den Kopf und hält mich ein bisschen für verrückt. Dafür bekomme ich am nächsten Morgen, dass üppigste Frühstück meiner bisherigen Reise und auch noch Alufolie für die Mitnehmesemmel. Vielen Dank Frau Rowoldt.
Von Eschborn starte ich bei nur noch 29 Grad über die Äcker weiter und werde von einem Feldhasen begrüßt. Kurz danach bei Brombeerhecken hoppelt noch eine ganze Familie vor mir her. Links liegt immer noch die Skyline und ich komme gut voran. An der Bonifatiuskapelle in Kriftel halte ich meine Mittagsrast und danach geht es über eine Obstplantage. Wie lecker doch Äpfel, Pflaumen und Kirschen direkt vom Baum schmecken. Einfach unwiderstehlich! Dann kommt der Regen! Landregen, zwei Stunden durch eine Kiesgrubenlandschaft. Modder und Abkühlung sind der Preis.In Wicker hört es auf und so kann ich den Blick vom  "Nonnenberg" ohne Kaputze genießen. Weinberge am Rheingau! Winzetstuben, aber leider noch zu früh. Aber auf der " Neuen Flöhrsheimer Warte" ist schon offen. Mitten im Weinberg genieße uch Bienenstich und den rosigsten Rose'.  Die letzten 2 km zum Hostel laufen sich von allein. Im Weinberg stolper ich über ein ganzes Hasenrudel!  Zwischen den Reben springt mir ein ganz  unvorsichtiger Hase vor die Füße. Verrückt und lustig! Diese Nacht verbringe ich in einer einfachen " Monteursunterkunft" und erwache an meinem Geburtstag bei strahlend blauen Himmel. Das Frühstück ist besser als ich dachte und so laufe ich gestärkt in meinen Tag. Auf den Weinbergen wieder hoch und dann auf der Höhe durch herrliche Auenlandschaften. Über mir aller 3 Minuten ein Flugzeug zum greifen nah. Der Lärm stört die Idylle und bei jedem neuen Anflug bete ich, dass es oben bleibt, denn ich hätte keine Chance.
In Hochheim sitze ich in der Peter und Paulskirche und gedenke meines Startes vor 31 Tagen in unserer Görlitzer Peter und Paulskirche. So schließt sich wieder ein Kreis.
Auf den Mainterassen ist Mittagspause bei Weißweinschorle und Salat und ich unterhalte mich mit einem netten Ehepaar. Unterwegs spricht mich ein Radler an und erzählt von seinen Pilgererlebnissen in Frankreich. Das wat sehr interessant für mich,
Dann erreichte ich Mainz und habe im Dom meinen letzten Stempel abgeholt. Wieder ein Weg beendet.





2 Kommentare:

  1. Hallo Bruni, jetzt ist dein Geburtstag doch schon vorbei 😖 aber ich wünsche Dir unbekannter Weise, nachträglich alles Gute und weiterhin einen guten Weg.
    Ich freue mich schon sehr auf deinen nächsten Post. Buen Camino und Ultreia

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  2. Hallo Bruni. Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag. Wir wünschen Dir Alles Gute und Gottes Segen. Seitdem Du bei uns übernachtet hast sind wir richtig große Fans von Dir und Deiner Pilgerreise geworden. Für Deinen weiteren Weg wünschen wir Dir viel Kraft und Gottvertrauen. Wir sind schon gespannt auf deinen nächsten Bericht. Liebe Grüße Sigrid und Dirk Wildemann aus Rommelhausen

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